Eine wertschätzende Gesprächskultur bei Rückkehr von Krankheit, Urlaub etc. lässt mehr Mitarbeitende an BEM-Maßnahmen teilnehmen!

Vor ca. 30 Jahren wurden die sogenannten „Rückkehrgespräche“ erfunden und haben sich zwischenzeitlich in den meisten Betrieben etabliert. Allerdings kursieren zum Teil sehr unterschiedliche Varianten von Rückkehrgesprächen. In manchen Unternehmen werden diese Gespräche Integrations-, Willkommens- und/oder Begrüßungsgespräch genannt. Andere sind der Meinung, dass diese Gespräche erst ab einer bestimmten Anzahl krankheitsbedingter Abwesenheitstage geführt werden müssen, wieder andere nennen sie Krankenrückkehrgespräche und sind der Meinung, dass sie nur Sinn nach einer krankheitsbedingten Abwesenheit machen. Und es gibt jene Unternehmen, bei denen Rückkehrgespräche in der Betriebsvereinbarung fest verankert sind, durchzuführen von der entsprechenden Führungskraft. Nun mag man sich fragen, wer hat recht? Doch ist die eigentliche Frage nicht nach dem Recht, sondern welches Ziel verfolge ich mit solch einem Gespräch.

In vielen Betrieben liegt die Zielsetzung sogenannter Krankenrückkehrgespräche lediglich in der Verringerung von Fehlzeiten und nicht in einer Verbesserung der zwischenmenschlichen Beziehung und dem aufrichtigen Interesse am Mitarbeiter.

Per se sollten Mitarbeitende nicht per Betriebsvereinbarung zu einem Gespräch gezwungen werden. In einem gesunden Betriebsklima wechseln Vorgesetzte und Mitarbeitende immer wieder ein paar Worte und zwar nicht nur nach einer Krankheit, sondern generell, und erst Recht nach jeder Abwesenheit des Mitarbeiters. Oder finden Sie es gesundheitsförderlich, wenn Sie erst krank werden müssen, bevor man nach Ihrem Wohlbefinden fragt? Streichen Sie deshalb den Begriff „Krankenrückkehrgespräch“ aus Ihrem Gedächtnis und vor allem aus Ihrer Betriebsvereinbarung. Denn wenn Menschen gezwungen werden miteinander zu sprechen, liegt wohl schon einiges im Argen.

Wie bereits erwähnt, sollte ein Willkommens- oder Rückkehrgespräch bei jeder Art von Abwesenheit des Mitarbeiters stattfinden und zwar mit ehrlichem Interesse. Sei es Urlaub, Fortbildung, etc.

Rückkehrgespräche sind eine Form der Anerkennung. Sie schaffen Vertrauen, geben dem Ganzen eine menschliche Komponente: „Wir haben Dich vermisst. Schön, dass Du wieder da bist. Was gibt es Neues bei dir? Was hast du uns an Erkenntnissen und Ideen mitgebracht (z.B. nach Fortbildungen)“ Der Mitarbeiter fühlt sich ernstgenommen, als Mensch wahrgenommen und nicht nur als Leistungsträger oder gar als einer unter vielen. Zugleich bietet das Gespräch die Möglichkeit, kompakt Informationen über wesentliche Ergebnisse während der Abwesenheitszeit zu geben.

Und somit sind Sie auch raus aus der Tabuzone. Denn wenn Sie solche Gespräche positiv gestalten und führen können, fällt das Gespräch nach einer längeren Krankheit auch nicht schwer, um nachzufragen, ob die Krankheit etwas mit der Arbeit zu tun hatte, eventuell noch Schonung von Nöten ist, oder Maßnahmen ergriffen werden müssen. Allein schon dieses Gespräch dient als „Gesundheitsunterstützung“ für die Beschäftigten, denn ihnen wird Wertschätzung und Interesse entgegengebracht. Studien aus der Hirnforschung belegen, dass Wertschätzung und eine angstfreie Arbeitsatmosphäre wesentlich dazu beitragen, dass Mitarbeiter leistungsfähig und effizient arbeiten.

Wenn es Führungskräfte also schaffen, eine angenehme sowie unterstützende Gesprächsatmosphäre zu erzeugen und Raum für Hilfsangebote schaffen, werden Mitarbeitende bald den positiven Aspekt und Nutzen dieser Gespräche für ihr persönliches Wohlbefinden am Arbeitsplatz erkennen.

Mitarbeiter, die so eine „Rückkehrkultur“ erleben, werden selten einen Grund sehen, ein BEM-Gespräch abzulehnen.

Brigitte Stark